backup 2008

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Vom 18. bis 22. Juni 2008 feierte das internationale Kurzfilm- und Videofestival in Weimar sein erstes Jubiläum. Fünf tagelang präsentierte das backup_festival Filme, die bewusst mit den Sehgewohnheiten des gemeinen Publikums brachen und damit Einblick in einen unkonventionellen Umgang mit dem Medium Film ermöglichten. Lebendige Gespräche in entspannter, sommerlicher Atmosphäre am Festivalort selbst, aber auch geleitete Vorträge initiierten Impulse zum Nachdenken über wichtige Entwicklungen und Tendenzen in den Formaten des Bewegtbildes.

Wettbewerb

Aus über 700 eingereichten Beiträgen wurden in allen Wettbewerbsteilen 70 Arbeiten gezeigt, die insgesamt um ein Preisgeld von 4400€ konkurrierten.

backup.award

Den ersten Preis und den Publikumspreis im internationalen Wettbewerb für experimentelle Kurzfilme und Videos erhielt Jean-Gabriel Periots „Nijuman No Borei“. Ein Portrait einer Stadt, das in Dokumentation der architektonischen Struktur eine Geschichte erzählt, die ohne bildgewaltige und große dramaturgische Mittel auskommen kann. Hiroshima.

2. Preis: X.Pression, Laurie Thinot | P: Ecole Nationale Superieure Des Arts Decos | F 2007 | 3'20''
3. Preis: Apple & Ei, Ahmet Tas | D 2007 | 6'00''

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Im internationalen Wettbewerb für Musikvideos wurden zwei erste Preise vergeben. Die Gewinner sind Magdalena Kallenbergers „Grand Pas de Deux – Gitarrenklasse UdK Berlin“ und der Clip „Daisy / Feeding your back – TZII“ der 1n0ut Crew. In sehr intelligenter und konsequenter Weise schaffen es die Clips, eine Stimmung zu transportieren und gleichzeitig greifbar zu machen, wie Musikvideos an die Grenzen ihres Genres wirken können.

2. Preis: Balldate - Douglas Greed, Florian Licht | D 2007 | 4´00´´ | Label: Combination Records

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Der erste Preis im nationalen Wettbewerb für experimentelle Werbespots ging an Kenji Ouellets „Louis Maurice Armbanduhren“. Sehr gewagt werden in diesem Spot die Mittel der Werbung auf die Spitze getrieben und damit eine große Reflexions- und Diskussionsfläche zum Thema eröffnet.

Jury

Die Preise wurden den jeweiligen Fachjurys, bestehend aus Regisseuren, Video- und Medienkünstlern, sowie Medien- und Filmtheoretikern, bestimmt.
Mitglieder der Jury für den backup.award waren Alain Bieber (Redakteur beim Kunstmagazin ART, sowie Gründer der rebel:art media foundation und dem OH! Videomagazin | Hamburg), Marc Schleiss (Freischaffender Künstler, Animation und Regie. Gewinner backup.award 2007 „Video 3000“ | Stuttgart) und Maria Vedder (Medienkünstlerin und Professorin an der Universität der Künste | Berlin).
Für den backup.clipaward wurden Phillip Michaelis und Peer Fischer (Visual Art Gruppe ZOOZOOZOO, Herausgeber des „Destructed“ Kunst- und Designmagazins | Hamburg), Robert Seidel (Freischaffender Filemacher und Videokünstler, Gewinner backup.clipaward 2007 „Zero 7 – Futures“ | Jena) sowie Niklas Weise (Regisseur für Musikvideos und Werbespots | Berlin) nach Weimar eingeladen.
Sebastian Onufszak (Creative Director, Animations- und Designstudio Parasol Island | Düsseldorf) und Hans-Jörg Breitegger (Design Manager Walt Disney Company Deutschland), beide Teilnehmer des backup.salon, wählten den Preis für den backup.(non)commercial.award.

Neue Formate | Neues Kino

backup.salon (in Kooperation mit den 2. Weimarer Film- und Fernsehtagen)
Ganz in Manier der frühen Salonkultur eröffnete eine Vortragsreihe zu On-Air-Design, Motion Graphics, Trailerproduktion und Formatentwicklung ein Forum für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch über eine Branche, die neben dem Film das Bewegtbild ganz anders zu begreifen vermag. Eine junge Design-Agentur, Parasol Island, stellte beispielsweise die Entwicklung eines Motion-Graphic Werbespots vor und verhandelte gemeinsam mit dem Auditorium gestalterische, aber auch ökonomische Fragen zu ihrer Arbeit. Eigene Positionen und Ideen wurden schließlich auch an den folgenden Festivaltagen von den Teilnehmern mit den Festivalgästen und Beteiligten im Garten des e-Werks oder an der Bar ausdiskutiert.

Entscheidende Maßstäbe setzten in diesem Jahr die neu eingeführten Programmpunkte, die sowohl in ihrem Konzept als auch in ihrer Umsetzung vielen Gästen und Interessierten Anlass zum Überdenken von Festivalstrukturen und Präsentationsformen gaben.

backup.at.home

Flicker-Filme und der Filmemacher aus Frankreich im eigenen Wohnzimmer? Mit backup.at.home wurde das Festival in die Stadt geholt und damit eine privatere Atmosphäre für einen Ideenaustausch zwischen Anwohnern und anreisenden Künstlern ermöglicht. Es galt aber ebenso als ein Ereignis, das nach den Rezeptionsbedingungen des klassischen Kinos oder des „Zuhause“ fragt und die Bedeutung des „Home Entertainment“ einbezieht.

backup.open-screening

Vom eigenen Laptop auf die große Leinwand in vielleicht nur zwei Tagen? Das open-screening gab Studierenden der Bauhaus-Universität und ehemaligen Beteiligten des backup_festivals die Möglichkeit „last minute“ ihre Filme beim Festival einzureichen. Eine Kurations- und Präsentationsform, die ganz nah am Entstehungsprozess selbst verortet ist, da keine administrativen oder selektiven Hürden installiert sind. Eine Gelegenheit, dem internationalen Fachpublikum ein eigenes Projekt, vielleicht auch nur als Vorab-Version, zu präsentieren.

Profile, Positionen und Persönlichkeiten

Im backup.forum wurden in diesem Jahr Filme und Filmemacher integriert, die das Profil des Festivals geprägt haben und inhaltlich sowie technisch-gestalterisch einen Weg vorzeichnen.
Die Vorstellungen wurden durch Vorträge von den Filmemachern vor Ort in einen Kontext gebracht, der oftmals mit den ganz eigenen und durchaus eigen-artigen Visionen des Künstlers selbst verbunden ist. Eine Gelegenheit, neben all den Leinwand-Projektionen, sich von den Machern als Persönlichkeit inspirieren zu lassen.

Für das 10. backup_festival konzipierte Rob Kennedy (UK) -derzeit in New York arbeitender Videokünstler- ein Screening, in dem er die Premiere seiner aktuellsten Arbeit „Hapless, helpless, hopeless“ präsentierte. In einer Auseinandersetzung mit den Bedeutungsebenen von TV-Spots und zunächst nebensächlich scheinenden Elementen des Films, wie z.B. Untertitel, schafft Kennedy es, eigene visuelle Vokabeln und Grammatiken zu entwickeln, die sehr stark an die eigenen Rezeptionsgewohnheiten appelieren.

Der Animationsfilmer David OReilly (UK, Berlin) gab einen Einblick in seine ganz eigene Auffassung von „Trickfilm“. Mit persönlichen Kommentaren zu den Hintergründen und Ideen im eigenen Schaffen steigerte er die Begeisterung über die rasante und bunte rohe, digitale 3D-Welt seiner Filme. Wer sich einmal den 20th Century Cartoon „Please Say Something“ angeschaut hat und das Presseecho zu seinem Werk verfolgt, weiß ganz bestimmt: Der wird noch mal groß und berühmt.

Außerdem wurde im Rahmenprogramm „The Flicker“ von Tony Conrad, die Ikone des frühen Strukturellen Films sowie eine Auswahl Neuer Struktureller Filme des Verleihs sixpackfilm projiziert. Eine Werkschau des Kölner Videokünstlers Daniel Burkhardt „RaumZeitSkulpturen“, ein Programm des Partnerfestivals CrankCookieKurzfilmtage sowie ein Screening des OH! Videomagazins waren weitere Punkte im backup.forum.

Als Sonderveranstaltung wurde „bauhaus ausgezeichnet“ im Festivalprogramm etabliert. Gezeigt wurden prämierte und mit sehr gut bewertete Abschlussarbeiten der Fakultät Medien, Bauhaus-Universität Weimar. Das backup_festival gab hiermit erneut einen Platz, hochwertige Arbeiten aus dem eigenen Umfeld neben herausragenden internationalen Beiträgen zu präsentieren und sich damit als Universität innerhalb maßgeblicher inhaltlicher und gestalterischer Entwicklungen zu positionieren.

Kleiner Sommer | Großes Team

Nicht nur inhaltliche Entwicklungen, die Einführung neuer Programmpunkte und die Konzeption eines gesamtheitlichen „Best of“ waren entscheidende Herausforderungen für das backup_festival. Als größtes Novum galt in diesem Jahr der zeitliche Termin. Vom Oktober in den Juni verschoben, musste sich das Team nicht nur mit einer kürzeren Vorbereitungszeit arrangieren, sondern auch mit den Vor- und Nachteilen des Sommers rechnen.

Mit dem Einbeziehen des Außengeländes des e-Werks wurde ein Open-Air Platz geschaffen, der bei strahlendem Sonnenschein zum längeren Verweilen einlud. Ein idealer Ort, um Kontakte zu anwesenden Filmemachern, Jurymitgliedern oder interessierten Festivalgästen zu knüpfen. Bei kontinuierlich entspannter Atmosphäre gelang es, alle Beteiligten in das Festivalgeschehen mit einzubeziehen und damit den Status als „angereister Gast“ oder „Festivalorganisator“ irrelevant zu machen. Ein inspirierender und motivierender Ideenaustausch zwischen den Künstlern untereinander, aber auch zwischen diesen und dem Team entstand. Bis in die frühen Morgenstunden wurde über eigene Projekte gesprochen, Anregungen gesammelt und zukünftige Events geplant. Als Anekdote sei da der vom backup_festival initiierte, ernsthaft ausgesproche Wohnortwechsel von Hamburg nach Weimar genannt.

Das ausgelassene und fast „heimische“ Flair des Festivals ist vorallem Resultat einer sehr intensiven und starken Vorbereitungszeit. Mit einem fast ausschließlich studentischen Team wurden in allen Bereichen der Festivalorganisation Erfolge erzielt und wichtige neue Kontakte etabliert. Neben der Programmgestaltung, die vorallem Anküpfungspunkte zu Künstlern, Foren und anderen Formaten des experimentelleren Films gesucht hat, sind auch in der Presse- und Sponsorenarbeit Partnerschaften entstanden. So konnte Eastpak als Hauptsponsor, sowie Avid und TrekStor als Sachpreisgeber gewonnen werden. Viele kleinere, auch regionale Unterstützer haben zum Gelingen des Festivals beigetragen.
Die Medienresonanz, vorallem auf Online-Magazinen wie Spex, Page-Online oder goon ist gerade in Bezug auf eine zukünftige Arbeit des Festivals in Online-Formaten von großer Tragweite. Auch die Medienpartnerschaften mit dem Visions Magazin und de:bug sind hervorzuheben. Fernsehbeiträge wurden unter anderem vom regionalen Sender salve.tv und mdr realisiert.

Das Team, bestehend aus etwa 40 Studierenden der Fakultäten Medien, Gestaltung und Architektur der Bauhaus-Universität Weimar und Studierenden aus Erfurt, ist in diesem Jahr besonders herauszustellen. Oftmals ausschließlich als Ehrenamt oder aber im Rahmen eines Projekts der Mediengestaltung wurden die verschiedensten Aufgaben -von der Kataloggestaltung bis zum Gerüst-Aufbau- wahrgenommen, Kompetenzen erworben und manchmal Arbeitsbereiche gänzlich neu erschlossen. Mit einem nicht in Credit-Points abzurechnenden Engagement und Zeitaufwand haben alle Mitarbeiter durch eigene Ideen und großes Vertrauen ein Festival realisiert, das nicht nur als studentisches Projekt gewertet wird, sondern einen festen Punkt im internationalen Umfeld des neuen, unkonventionellen und experimentellen Films markiert.